Forschung
Kooperative Ansätze gezielt gestalten
Aktualisiert am 15.07.2026
Welche Ziele verfolgen Kooperativen für Agrarnaturschutz und wie gestalten sie ihre Zusammenarbeit? Dieser Frage widmen sich die Forschenden des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im KOMBI-Projekt. Auf Grundlage einer systematischen Literaturanalyse, eines Workshops mit Praxispartnern und einer internationalen Expertenbefragung haben sie nun einen Rahmen für die weitere Untersuchung kooperativer Ansätze entwickelt.
Zentrale Erkenntnisse
Die Analyse von Vinzenz Grahl, Dr. Claudia Sattler und Prof. Dr. Bettina Matzdorf zeigt, dass kooperative Lösungen nicht nur aus ökologischen Gründen eingesetzt werden. Neben der besseren Vernetzung von Maßnahmen in der Landschaft spielen auch ökonomische Ziele eine wichtige Rolle. Das können beispielsweise geringere Transaktionskosten, mehr Flexibilität und Skaleneffekte sein. Hinzu kommen soziale Ziele, insbesondere mehr sozialer Zusammenhalt durch demokratischere Prozesse und gemeinsames Lernen. Für KOMBI bedeutet das: Es lohnt sich, in jeder Modellregion explizit zu klären, welche Ziele im Vordergrund stehen.
Außerdem identifizierten die Forschenden 16 mögliche Elemente, um kooperative Ansätze zu gestalten. Dazu gehören zum Beispiel eine koordinierende Stelle, die räumliche Maßnahmenplanung, gemeinsame Verträge, regelmäßiger Austausch in der Gruppe, gemeinsames Maßnahmendesign, partizipatives Monitoring, gemeinschaftliche Kommunikation sowie die gemeinsame Nutzung von Maschinen oder Vermarktungsstrukturen. Damit wird deutlich: Ein kooperativer Ansatz muss nicht überall gleich aussehen, sondern kann je nach regionalem Kontext aus unterschiedlichen Bausteinen zusammengesetzt werden.
Dabei machte die Analyse deutlich, dass die Passung von Zielen und Gestaltungselementen für kooperative Ansätze im Agrarnaturschutz entscheidend ist. Durch den entwickelten Analyserahmen wird dieser Zusammenhang deutlich.

Eine räumliche Maßnahmenplanung unterstützt die ökologische Vernetzung, während Gruppenaustausch, partizipative Planung und gemeinsame Kommunikation vor allem soziale Lern- und Kooperationsprozesse stärken. Für die praktische Umsetzung ist daher nicht allein entscheidend, möglichst viele kooperative Elemente einzuführen, sondern die passenden Elemente für die jeweils gesetzten Ziele und Rahmenbedingungen auszuwählen.
Kooperative Ansätze weiterentwickeln
Mit Hilfe des Analyserahmens können die Ziele und konkreten Elemente von Kooperativen besser diskutiert werden – vor Ort, aber auch im Austausch mit der Politik. Gleichzeitig wird deutlich, dass weitere Forschung nötig ist, um besser zu verstehen, wie z.B. koordinierende Strukturen, Zusammenarbeit zwischen Landwirt:innen und regionale Rahmenbedingungen zusammenspielen. Die Forschenden untersuchen daher die Netzwerkstrukturen in den KOMBI-Modellregionen und vergleichen, welche kooperativen Elemente sie anwenden. So können sie die Heterogenität kooperativer Ansätze in Deutschland darstellen und individuelle Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.
Den kompletten Fachartikel auf Englisch finden Sie hier.
Quelle: Grahl, V., Sattler, C. & Matzdorf, B. (2026): „Collective payments for ecosystem services: A framework for examining the interplay between objectives and collective elements“. Ecosystem Services 79, 101862.