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Wasser, Boden, Artenvielfalt: Kooperative Perspektiven für die sächsische Agrarlandschaft
Aktualisiert am 20.06.2026
Wiesen, Weiden, Streuobstwiesen, Bäche und Teiche prägen seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sie werden landwirtschaftlich genutzt und sind zugleich wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Doch dieses Gefüge gerät zunehmend unter Druck. Starkregen steigert die Bodenerosion an Hanglagen, Gewässer verlieren ihre Struktur durch Begradigung und Erosion, Kleingewässer verlanden und Lebensräume werden kleiner und stärker voneinander getrennt. So geht die Artenvielfalt stetig zurück und ökologische Funktionen wie Bestäubung und Bodenfruchtbarkeit in der Agrarlandschaft gehen verloren.
Im Höllgrundbach nahe dem sächsischen Rathewalde fand dazu kürzlich ein Kooperativengespräch statt: Mit dabei waren Landwirte, Flächeneigentümer und Vertreter:innen von Kommune, Wasserbehörde, Unterer Naturschutzbehörde, Landesbauernverband, Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz sowie die C.1-Naturschutzberatung. Die Botschaft war klar: Die Herausforderungen der Landschaft lassen sich nur gemeinsam bewältigen.
Dafür liegt mit einem landschaftsbezogenen Fachkonzept jetzt erstmals eine gemeinsame fachliche Grundlage für die Modellregion vor. Der Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (LPV SOE) hat das Fachkonzept mit regionalen Akteuren und Fachbehörden im KOMBI-Projekt erarbeitet und es dient nun als praxisnahes Arbeitsinstrument für die kommenden Jahre.

Teiche wie dieser sollen ein Schwerpunkt der Kooperativen werden.
Im Fokus stehen vier Kooperativengebiete in der Modellregion Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: Höllgrundbach/Rathewalde, Tälchen bei Dobra, Geßlichbach/Oelsa und Stieflitzbäche bei Obercunnersdorf. Die Gebiete unterscheiden sich deutlich: von kleinstrukturierten Tallandschaften mit vielen Eigentümern bis hin zu großflächigen Agrarräumen. Aktuelle Schwerpunkte liegen im Höllgrund/Rathewalde sowie beim Geßlichbach/Oelsa.
Der Handlungsbedarf ist klar: Viele Flächen im Landkreis sind stark erosionsgefährdet, gleichzeitig werden Nährstoffe ausgetragen und Düngemittel eingespült. Zahlreiche Kleingewässer sind in den vergangenen Jahrzehnten verlandet oder ökologisch beeinträchtigt worden. Damit gehen wichtige Lebensräume für Amphibien, Insekten und Wiesenvögel verloren. Es sind nun Maßnahmen geplant, die die Gewässerstruktur verbessern, das Wasser in der Landschaft zurückhalten, die Bodenerosion verringern und Lebensräume vernetzen sollen. Hecken, Säume, Feuchtwiesen, naturnahe Gewässerrandstreifen und strukturreiche Grünlandflächen spielen dabei eine zentrale Rolle.
Davon profitieren nicht nur seltene Arten wie Kammmolch, Feuersalamander, Braunkehlchen oder der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Auch die Landwirtschaft gewinnt: stabile Böden, ein ausgeglichener Wasserhaushalt und funktionierende Landschaftsstrukturen sind die Grundlage für eine langfristig tragfähigen Bewirtschaftung.

Von den Maßnahmen sollen auch Amphibien wie der streng geschützte Kammmolch profitieren.
Diese Mehrwerte für Betriebe und Natur kann das KOMBI-Projekt dank der Koordinierung durch den LPV SOE entwickeln, der Kompetenzen aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naturschutz und kommunaler Zusammenarbeit bündelt. Dadurch entstehen Synergien, die Planung und Umsetzung vor Ort erleichtern. So werden die Maßnahmen gemeinsam mit Landwirten und Eigentümern fortlaufend entwickelt. Dieser kooperative Planungsprozess knüpft bewusst an eine lange landwirtschaftliche Tradition an: Seit Jahrhunderten unterstützen sich Landwirte gegenseitig und stimmen ihre Bewirtschaftung in der Landschaft ab. Genau dieses Prinzip wird im KOMBI-Projekt aufgegriffen und vom LPV SOE aktiv begleitet und moderiert.
Ziel ist es, praxisnahe und langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln, angepasst an die jeweilige Landschaft und die betriebliche Situation vor Ort. Erste konkrete Maßnahmen sollen ab Herbst 2026 umgesetzt werden. Dabei ist eine angemessene Honorierung von Naturschutzleistungen für landwirtschaftliche Betriebe im Rahmen der Förderung entscheidend, auch und vor allem in der neuen Förderperiode ab 2028. Und auch ohne das gemeinsame Engagement mit Betrieben, Eigentümern, Fachbehörden und Partnern wäre ein solches Projekt nicht möglich. Denn am Ende geht es nicht um einzelne Maßnahmen, sondern um die Zukunft einer vielfältigen und funktionierenden Kulturlandschaft im Landkreis!