Interview
Thomas Tritschler
Aktualisiert am 01.07.2026
Thomas Tritschler betreibt im Markgräfler Land Landwirtschaft im Nebenerwerb. Auf seinen Flächen in der südlichen Oberrheinebene unterhält der ehemalige Berufsschullehrer für Land- und Baumaschinentechnik unter anderem Streuobstwiesen, Getreideäcker und eine kleine Herde Shropshire-Schafe.
Herr Tritschler, was ist das Besondere auf Ihren Flächen?
Auf meinen Flächen ist die Welt in Ordnung! Seit 2023 betreibe ich zertifizierten Ökolandbau, meine Äpfel werden in einer eigenen Anlage zu natureinem Saft und getrockneten Apfelringen verarbeitet, früher haben wir auch sortenreine Schnäpse hergestellt. Auf meinen Äckern konnte ich durch die Bewirtschaftung mit einem LPR-Vertrag (Landschaftspflegerichtlinie) Ackerwildkräuter etablieren. Dort wächst jetzt zum Beispiel Frauenspiegel, der war durch Pestizideinsatz quasi ausgerottet. Ich versuche jetzt, diese Wildkräuter bei meinem Getreideanbau dabei zu haben, das ist Kaviar vom Acker, besonders für Insekten. Schon im ersten Jahr haben bei mir gleich Feldlerchen gebrütet.
Und vor welche Herausforderungen steht die Landwirtschaft in ihrer Region?
Wir haben hier extreme Wetterereignisse wie Trockenheit, Nässe, Sturm, Hagel und Spätfrost, die den landwirtschaftlichen Anbau stark belasten. Gerade durch die extreme Trockenheit im Sommer wird Bewässerung wichtiger – aber die beruht bisher noch auf fossilen Treibstoffen. Wir müssen über den Anbau neuer Kulturen nachdenken, wie zum Beispiel Hirse, die wenig Wasser brauchen. Mit dem Klimawandel haben wir mit Krankheiten wie dem schwarzen Rindenbrand, eingewanderten Schädlingen wie der Kirschessigfliege aber auch Sonnenbrand bei den Äpfeln zu kämpfen. Darum sollte Umweltschutz nicht nur in der Landwirtschaft eine Selbstverständlichkeit sein.
Was für Erfahrungen haben sie bisher mit überbetrieblicher Zusammenarbeit gemacht?
Hier im Markgräfler Land sind die Betriebe sehr spezialisiert, die bauen Saatmais, Beerenobst, Tabak, Kartoffeln, Spargel, Zuckerrüben und so weiter an. Da funktioniert die Zusammenarbeit nur in kleinem Maß, wenn man sich z. B. Anhänger ausleiht. Die Betriebe werden auch immer größer und auch das Extremwetter macht die überbetriebliche Zusammenarbeit schwer. Das Miteinander leidet auch unter dem Druck, immer noch intensiver wirtschaften zu müssen. Ausnahmen sind der Wasser- und Bodenverband, wenn es um die Wasserbeschaffung geht.

Auf dem Acker von Thomas Tritschler wachsen teils seltene Wildkräuter. Er kultiviert eine Samenbank, um diese Arten zu erhalten.
Was hat Sie motiviert, bei KOMBI mitzumachen?
In den frühen 80er Jahren konnte man in den Streuobstwiesen und auch Äckern jede Menge Insekten und Feldvögel sehen. Dann sind die Tiere in der Gegend immer mehr verschwunden. Ich möchte die Umwelt entlasten, möglichst wenig schädliche Einträge in Boden und Luft und wieder mehr Biodiversität. Darum wollte ich etwas ausprobieren, auch um zu sehen, was Neues und gemeinsam machbar ist. In der Ideenschmiede, der Maßnahmenwerkstatt und den Feldtagen konnte ich mich im Projekt einbringen und habe das Gefühl, hier etwas bewegen zu können. Der Landschaftserhaltungsverband (LEV) organisiert auf kurzem Weg Arbeitskreise, einen lebendigen Austausch und begleitet die Betriebe bei ihren Entscheidungen. Das ist sehr wichtig für mich.
Was ist für sie der Vorteil, wenn mehrere Betriebe im Agrarnaturschutz zusammenarbeiten?
Wir können uns gegenseitig unterstützen, unsere Erfahrungen austauschen, Vermarktungsmöglichkeiten für unser Ackerwildkräuter-Getreide suchen und gemeinsam, so hoffe ich, auch mehr erreichen.
Was braucht es, damit der überbetriebliche Agrarnaturschutz gelingen kann?
Es braucht höhere Ausgleichszahlungen für die Gemeinwohlleistungen, die wir erbringen, oder höhere Erzeugerpreise, die das mit abbilden. Wichtig ist für uns Landwirte Planungssicherheit, auch bei den Förderprogrammen wie der LPR. Wenn wir Agrarnaturschutzmaßnahmen umsetzen, hat das auch langfristige Auswirkungen auf unsere Produktion, da müssen wir uns drauf verlassen können. In der aktuellen GAP kann man im Naturschutz viel machen, aber es bleibt wenig langfristig.
Was wünschen Sie sich von der EU-Politik?
Ich wünsche mir mehr Unterstützung für den Ökolandbau sowie mittlere und kleinere Betriebe, auch durch eine gezielte Förderung. Die EU müsste der Fehlentwicklung entschieden entgegentreten, dass die Betriebe immer weniger und immer größer werden. Auch mehr Gleichbehandlung in den Mitgliedstaaten wäre für mich wichtig. Die Landwirte sind heute gezwungen, ihre Produktion mit Düngemitteln und Pflanzenschutz zu maximieren aufgrund der geringen Preise und hohen Qualitätsstandards.
Wie sehen Sie die Landwirtschaft in der Zukunft?
Ich bin davon überzeugt, dass die Landwirtschaft künftig für die Biodiversität eine Schlüsselrolle einnehmen und durch den Klimawandel in der Gesellschaft eine immer größere Bedeutung haben wird.