Wo Betriebe gemeinsam für die Artenvielfalt ackern

Pressemitteilung

Wo Betriebe gemeinsam für die Artenvielfalt ackern

Aktualisiert am 18.06.2026

Hartheim am Rhein, 18.06.2026 – Blühende Obst- und Rebgassen, Ackerwildkräuter zwischen den Getreidereihen, Brachen für bedrohte Arten – im Markgräfler Land zeigen Landwirt:innen und Winzer:innen, wie ihre Zusammenarbeit die Biodiversität in der Region stärkt. Davon überzeugte sich auch Dr. Andre Baumann, Staatssekretär des Umweltministeriums Baden-Württemberg, zusammen mit Landrat Christian Ante beim Tag der Artenvielfalt auf dem Hollihof in Hartheim. 

Der Hof und etwa 25 weitere Betriebe in der Region gehen beim Agrarnaturschutz neue Wege: Sie setzten Maßnahmen wie Blühstreifen- und brachen, Bienenhügel, Feldbaum- und Rebböschungspflege nicht mehr einzelbetrieblich um, sondern kooperativ und daran angepasst, was die Landschaft braucht. Der Landschaftspflegeverband Breisgau-Hochschwarzwald (LEV) koordiniert die Gemeinschaft und begleitet die Betriebe intensiv von der Maßnahmenentwicklung über die gemeinsame Antragsstellung in der Landschaftspflegerichtlinie bis hin zur Umsetzung. Und das mit Erfolg: 2025 fanden mehr als 300 biodiversitätsfördernde Maßnahmen ihren Weg in die Acker- und Weinbauflächen, davon viele kooperativ. Im Kaiserstuhl beteiligen sich 350 Weinbaubetriebe an kooperativen Maßnahmen.

„Unsere Landschaft zu nutzen und sie zugleich als Heimat für zahlreiche Arten zu bewahren – das ist die große Herausforderung. In Zeiten, in denen die Artenvielfalt und damit unsere Lebensgrundlage immer stärker bedroht ist, brauchen wir innovative Ansätze, die Mensch und Natur zugleich zugutekommen. Kooperativen, wie im Projekt KOMBI umgesetzt, zeigen eindrücklich, wie dieser Brückenschlag zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gelingen kann“, erklärt Dr. Andre Baumann im Gespräch mit Landwirt:innen und Winzer:innen. 

Gemeinsam besuchten sie in Hartheim Flächen, auf denen die Landwirt:innen gemeinschaftlich Agrarnaturschutzmaßnahmen umsetzen. Feldvögel wie Rebhuhn, Feldlerche, Triel und seltene Ackerwildkräuter wie Frauenspiegel stehen dort besonders im Fokus. „Wir haben hier 24 Rote-Liste-Arten nachgewiesen. Auf extensiv genutzten Ackerflächen haben wir sogar den stark gefährdeten Deutschen Sandlaufkäfer wiederentdeckt, der in der Oberrheinebene als ausgestorben galt. Diese Vielfalt in unserer Region motiviert unsere Kooperativen enorm im Einsatz für die Insektenvielfalt, für seltene Feldvögel und einen dynamischen Biotopverbund, der die Nutzung der Flächen einschließt”, sagte Projektleiterin Anne Böhringer vom LEV.

Auf dem Hollihof blühen die Gassen zwischen den Himbeeren
Auf dem Hollihof blühen die Gassen zwischen den Himbeeren - zur Freude von Insekten und Landwirt Dietsche (links)

„Die Region steht aber auch vor großen Herausforderungen, einem hohen Preisdruck bei Feldfrüchten und einem starken Strukturwandel im Weinbau. Darum braucht es effektive Lösungen und Anreize, um regionale Produkte und die Biodiversität gleichermaßen zu fördern. Dass an produktiven Standorten wie hier Maßnahmen umgesetzt werden, liegt auch daran, dass sich die Zusammenarbeit auch für die Landwirtschaft lohnt", ergänzte Anne Böhringer.

Die Kooperativen unterstützen nicht nur die Artenvielfalt im Markgräfler Land und Kaiserstuhl, sondern die Betriebe selbst profitieren davon. „Der LEV hört uns zu, wir entwickeln die Maßnahmen gemeinsam und auf Augenhöhe. Dadurch finden wir praxistaugliche Lösungen. Die Kooperative macht auch vieles einfacher, wenn nicht sogar erst möglich. Zum Beispiel werten wir durch gemeinsame Pflege unsere Rebböschungen auf und säen artenreiche Blüten in unsere Rebgassen ein. Und nicht zuletzt ist es eine enorme Arbeitserleichterung, dass wir die koordinierten Förderanträge quasi nur noch unterschreiben müssen“, schildert Josefine Schlumberger, Winzerin aus Sulzburg-Laufen.

Das Markgräfler Land und der Kaiserstuhl sind eine von vier Modellregionen in Deutschland, wo das Projekt KOMBI – Kollektive Modelle zur Förderung der Biodiversität – den kooperativen Ansatz in Deutschland erprobt. Damit sich das Potential des überbetrieblichen Agrarnaturschutzes über die Projektlaufzeit entfalten kann, müssen in der kommenden Förderperiode die koordinierenden Stellen wie der LEV verstetigt, Gruppenanträge in LPR und FAKT ausgebaut und die Finanzierung der Maßnahmen gesichert werden. Denn die Modellregion in Baden-Württemberg zeigt: Wo die Bedingungen stimmen, gehen Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand.