Rote-Liste-Fund im Markgräfler Land zeigt Potential kooperativer Maßnahmen

Nachricht

Rote-Liste-Fund im Markgräfler Land zeigt Potential kooperativer Maßnahmen

Aktualisiert am 01.07.2026

Zügig zieht Reinhold Treiber, Biologe und Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands Breisgau-Hochschwarzwald (LEV), ein Tuch durch die Blüten und Gräser. Es ist die Probe aufs Exempel: stärken die blühenden Gassen zwischen den Himbeerranken des „Hollihofes“ tatsächlich die Artenvielfalt auf einem intensiv wirtschaftenden Betrieb?

Die KOMBI-Exkursion zum baden-württembergischen Tag der Artenvielfalt führte Staatsekretär Dr. Andre Bauman, Landrat Christian Ante, Landwirt:innen und Winzer:innen und weitere Gäste dieses Jahr ins Markgräfler Land. In der fruchtbaren Rheinebene bestimmen Getreidefelder, Sonderkulturen wie Spargel, verschiedene Beeren oder sogar Tabak neben den Weinreben die Landschaft.

Auf Initiative von Projektleiterin Anne Böhringer (LEV) und ihrer Kolleginnen haben sich hier verschiedene Betriebe zusammengetan, um im Rahmen von KOMBI die Artenvielfalt zu stärken – mit Maßnahmen, die in den landwirtschaftlichen Alltag passen. Der Hollihof, nahegelegene Weinbaubetriebe und der LEV haben dazu eine Blühmischung für die Gassen zwischen den Reben und Beeren entwickelt. Die ist laut Winzerin Josefine Schlumberger die „eierlegende Wollmilchsau: standortangepasst, wildbienen- und insektenfreundlich, befahrbar, gut für den Bodenaufbau und kostengünstig!“

Verschiedene Beeren auf einem Tisch
Früchte der Kooperation: Zwischen den Beerensträuchern auf dem Hollihof blühen vielfältige Pflanzen, die Insekten Nahrung bieten. Das stärkt auch die Bestäubung!

Seltener Fund 

Entsprechend neugierig drängen sich die Exkursionsteilnehmenden trotz der Hitze auf dem Feld zusammen, als Reinhold Treiber sein Tuch öffnet. Sofort fliegen Wildbienen auf, zahlreiche Käfer krabbeln zwischen den Samen und auch eine besondere Art hat die blühenden Gassen zur Nahrungsquelle erkoren: der Zweibrütige Würfel-Dickkopffalter, in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Dieser Fund entlockt nicht nur Staatsekretär Baumann, sondern auch den anwesenden Landwirt:innen Begeisterung.

Die zeigte sich auch beim anschließenden Gespräch mit Vertreter:innen aus Ministerium, Landkreis, Landwirtschaft und Naturschutz in den kühlen Hallen des Hollihofs. Dabei machte Staatssekretär Baumann deutlich, dass das kooperative KOMBI-Modell über die Region hinaus Bedeutung hat: „Was der Einzelne nicht schafft, das schafft die Gemeinschaft." Der kooperative Weg – Naturschutz mit Blick auf die Bedarfe in der Landschaft, mit weniger Bürokratie und auf Augenhöhe mit der Landwirtschaft – sei in Deutschland mit der EU-Agrarförderperiode ab 2028 hoffentlich häufiger zu sehen.

Zweibrütiger Würfel-Dickkopffalter
Der zweibrütige Würfel-Dickkopffalter ist in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. In den blühenden Himbeergassen findet er inmitten intensiver Landwirtschaft Nahrung.

Auch Winzerin Schlumberger zieht ein positives Fazit und sprach sich für den KOMBI-Ansatz aus: „Das Projekt zeigt, dass die Landwirtschaft Lust auf Naturschutz hat, wenn er unter den richtigen Bedingungen funktioniert. Dafür brauchen wir die koordinierende Stelle, um uns die Bürokratie zu nehmen und die Gelder effizient in die Fläche zu bringen.“ Der Zweibrütige Würfel-Dickkopffalter in den Himbeergassen des Hollihofs ist ein kleines, aber klares Zeichen: Intensivbetrieb und Artenvielfalt gehen zusammen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.